ArtusDie Präsenz eines Fernsehers in unseren Wohnzimmern folgt in der Regel dem funktionalen Prinzip. Ein technisches Gerät wird unabhängig von der Innenarchitektur hingestellt oder hingehangen. Seit dem Aufkommen von Flachbildschirmen entstand die Idee, den TV wie ein Bild an die Wand zu hängen, inklusive der nötigen Kabelkanäle und Löchern in der Wand. Die Möbelindustrie bot flache Sideboards als passende Aufstellunterlage für die grossen TV-Screens.

Dann kam Samsung auf die gute Idee, den Fernseher zum Kunstobjekt aufzuwerten. Dazu wurde ein Holzrahmen montiert und eine Pseudo-Staffelei als Ständer angeboten. Das Angebot wurde durch Kunstwerke ergänzt, die dem Gerät auch im Standby-Betrieb eine Daseinsberechtigung gaben. Entweder schaue ich TV oder sehe ein schönes Bild auf dem Bildschirm.

Uns gefiel die halbherzige Umsetzung der guten Idee von Samsung nicht. Das war für uns Ansporn genug, es besser zu machen. Seht selbst, was dabei herausgekommen ist.

 


Das Konzept

Samsung FrameEin Flachbildfernseher kann mehr als ein TV sein. Die Integration in das Interieur des Wohnzimmers ist mit der Staffelei-Idee auf einem guten Weg. Der Gedanke, das Gerät zu mehr als zum Netflix schauen zu verwenden, liegt auf der Hand. Zu Zeiten, in denen kein TV-Programm läuft, kann eine kuratierte Auswahl an Masterpieces gezeigt werden. Die Zweitverwendung ist flexibel; wer keine Gemälde sehen möchte, nutzt stattdessen den Bildschirm als Rahmen für die letzten Urlaubsbilder oder was auch immer gefällt.


Das Gestell

Inspiriert von Samsung Frame, kauften wir eine Atelier-Staffelei in einem Malerei-Geschäft in Zürich für 80 Franken. Wichtig war uns die Dreiecksform der Staffelei; es gibt diverse Typen, die das Konzept weniger gut umsetzen. Unsere Staffelei erstanden wir in naturbelassener Buche mit einer getesteten Tragfähigkeit von mindestens 20 kg (warum das wichtig war, erkläre ich später). Für die Anpassung an die überwiegende Möbelfarbe in unserem Wohnzimmer, kauften wir auch noch eine Tüte mit nussbaum-farbener Holzbeize.


Die Vorbereitung

An einem sonnigen Wochenende, beizten wir die Staffelei mit der Nussbaumfarbe damit sie sich farblich vom Parkett abhob und besser zu den Möbeln in der Nähe passte. Da eine Staffelei als Halterung für eine Bildleinwand gebaut ist, mussten wir an der Halterung des Bilderrahmens einige Modifikationen vornehmen, damit diese einen Flachbildfernseher sicher tragen kann. Dabei gab es zwei Hauptaspekte: die sichere Halterung für den TV und die korrekte Neigung desselben. Die Neigung stellte sich als Kompromiss zwischen Blickwinkeln auf den Bildschirm fürs Fernsehen und dem Erhalten der Staffelei-Impression heraus. Steht der Fernseher zu aufrecht, ist das zwar optimal für den TV-Konsum, sieht aber als Raum-Objekt nicht so gut aus. Wir haben die Staffelei so steil wie möglich aufgestellt und die Abstandskonstruktion für den Bildschirm so gebaut, dass dieser nur wenige Grade nach hinten geneigt ist.


Artus von hintenDie Technik

Bekannterweise haben Flachbildschirme eine schlechte Akustik. Daher ergänzten wir unseren Fernseher schon lange mit einem Monacor SA-50 Verstärker und JBL Control Lautsprechern. Ausserdem hängt ein Raspberry Pi Minicomputer am TV. Für diese Geräte mussten wir Aufhängungen an der Staffelei anbringen. Zum Glück bietet die Fläche des Fernsehers genug versteckten Raum hinter der Staffelei in dem man allerlei Winkel und Halterungen für die Aufnahme von Boxen, Verstärker, Kabeln, Steckdosen und den Raspi anbringen kann. Zum Schluss wurde die Installation mit Kabelkanälen am hinteren Bein des Gestells und auf dem Boden abgerundet. Hier wird klar, warum die Staffelei einige Kilos tragen können muss.


Die Software

Für die Bereitstellung der Masterpieces hatte ich ursprünglich grosse Pläne. Über APIs von bekannten Museen (MOMA Api, Louvre, Finnische Nationalgallerie API) wollte ich täglich neue Bilder auf den Screen streamen. Letztendlich habe ich mich für eine ziemlich einfache Lösung entschieden. Ich habe die 100 Masterpieces ermittelt und für die Darstellung auf einem Full-HD Screen aufbereitet. Mein Raspi stellt diese nun im Endlosbetrieb als Fullscreen-Bilder im 10-Minuten Intervall dar.


Fazit

Wir sind von der Umsetzung und dem Mehrwert begeistert. Freunde und Kollegen haben uns zur gelungenen Umsetzung beglückwünscht und sogar die Patentierung der Idee angeregt. Das machen wir selbstverständlich nicht, sondern stehen jederfrau mit Rat und Tat zur Seite, die diese Anreicherung fürs Wohnzimmer selbst verwirklichen möchte. Auch die Sammlung der Masterpieces stelle ich gerne auf Nachfrage bereit.

Übrigens steht der Projektname ARTUS für 'ART for US'.

Ungebeizt, ohne gute Halterung,
Technik steht auf dem Boden

 

Nussbaum-gebeizt, mit angepasster
Halterung und Kunst vom Raspi

Aus anderer Perspektive und mit
einem weiteren Masterpiece